31.07.2014

Schweiz beteiligt sich nicht an europäischem Roaming-Abkommen

Das Daten-Roaming sowie die Auslandstelefonie in der EU wurden zum 1. Juli neu geregelt. Verbraucher erhalten günstigere Tarife und können erstmals lokale Anbieter im Ausland auswählen. Als Nicht-EU-Land beteiligt sich die Schweiz nicht an dem europäischen Roaming-Abkommen. Schweizer Netzbetreiber wollen zunächst die Entwicklung in der EU beobachten, bevor sie ihre Roaming-Tarife verändern.

Schweizer Netzbetreiber wollen Entwicklung beobachten

Die Schweizer Netzbetreiber stellen sich auf den Standpunkt, dass ihre Roaming-Tarife mit jenen in der EU Schritt halten, schreibt der Tages-Anzeiger zum Thema. Bald werde sich zeigen, ob aufgrund der neuen EU-Regeln Druck für weitere Anpassungen entstünde, heißt es in dem Artikel weiter. Die Swisscom hat laut Tages-Anzeiger schon länger signalisiert, ihren Kunden die freie Wahl des Datenanbieters bei Reisen in die EU ebenfalls zu ermöglichen. Die Mitbewerber sind da zurückhaltender: Sunrise hat die technische Machbarkeit geprüft, wartet aber nach eigenen Angaben die weitere Entwicklung ab. Bei Orange heißt es, man evaluiere die Möglichkeiten und sei mit Anbietern in der EU in Kontakt, so der Tages-Anzeiger.

Auch auf politischer Ebene werden die neue Regulierung und die Wirkung auf das Preisniveau in der Schweiz mit Interesse beobachtet: „Wir werden eng verfolgen, inwieweit sich die EU-Tarife nun weiter verändern, und unsere Beobachtungen im Bericht per Ende Jahr verarbeiten“, zitiert der Tages-Anzeiger René Dönni, Co-Leiter der Abteilung Telecomdienste beim Bundesamt für Kommunikation (Bakom). Die Fernmeldekommission des Ständerats hat einen Bericht des Bundesrates in dieser Angelegenheit verlangt: Damit soll geklärt werden, ob es auch in der Schweiz nötig ist, die Roaming-Tarife staatlich zu regulieren.

Reduzierte Roaming-Preise und lokale Anbieterwahl

Die neuen Roaming-Tarife in der EU kommen den Verbrauchern sehr entgegen. Beim Internet-Surfen mit dem Smartphone kostet der Datenverbrauch pro Megabyte (MB) die EU-Nutzer jetzt nur noch 20 Cent. 2013 lag der Preis bei 45 Cent, 2012 bei 70 Cent. Zuvor zahlten die Mobilfunkkunden bis zu 7 Euro pro MB. Neben den Datentarifen sind in der EU auch die Preise für die mobile Auslands-Telefonie  gesunken. Ein Anruf aus dem Ausland kostet jetzt noch 19 Cent pro Minute, ein eingehendes Gespräch 5 Cent, eine SMS 6 Cent.

Zusätzlich zur Preissenkung hat die EU-Kommission die Öffnung der Datennetze verordnet. Mobilfunknutzer haben auf Reisen im europäischen Ausland nun erstmals die Möglichkeit, unabhängig von ihrem Heimanbieter für den Internetzugang mit dem Smartphone vor Ort einen lokalen Anbieter auszuwählen. Ein Wechsel der SIM-Karte ist dafür nicht nötig. Der Nutzer bleibt so zudem unter derselben Telefonnummer erreichbar bleibt.

Autor: FN